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Die AfD gefährdet die medizinische Versorgung auf dem Land!

  • Johannes G.
  • 16. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12false40 GMT+0000 (Coordinated Universal Time)

Politische Versprechen können verlockend klingen. Entscheidend ist jedoch, ob die angebotenen Lösungen realistisch sind – und welche langfristigen Folgen politische Entscheidungen für unser Bundesland haben. Eine Regierungszeit dauert zunächst nur wenige Jahre. Ihre Auswirkungen können Sachsen-Anhalt jedoch über Jahrzehnte prägen. Gerade bei der medizinischen Versorgung drohen Entwicklungen, die sich später kaum noch korrigieren lassen.


Eye-level view of a community gathering in a park

Ist Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt bereits über 55 Jahre alt? Steht die Praxis vielleicht kurz vor der Übergabe? Haben Sie selbst ältere oder pflegebedürftige Angehörige, die auf eine wohnortnahe Versorgung angewiesen sind?


Dann möchte ich Sie zu einem Gedankenspiel einladen:


In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird ein erheblicher Teil der Hausärztinnen und Hausärzte sowie der niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte in den Ruhestand gehen. Viele gehören zu den geburtenstarken Jahrgängen der 1960er-Jahre. Schon heute ist es in ländlichen Regionen schwierig, frei werdende Praxen neu zu besetzen.

Für junge Medizinerinnen und Mediziner ist eine Niederlassung auf dem Land mit großen Herausforderungen verbunden: finanzielles Risiko, Personalverantwortung, hohe bürokratische Belastung und häufig lange Arbeitszeiten. Wer selbst keinen Bezug zum ländlichen Raum hat, entscheidet sich deshalb nur selten für eine strukturschwache Region.


Ohne internationale Fachkräfte geht es schon heute nicht

Gleichzeitig wird ein erheblicher Teil der medizinischen Versorgung in Sachsen-Anhalt bereits heute von Ärztinnen und Ärzten mit Migrationsgeschichte getragen. In unseren Praxen und Krankenhäusern arbeiten engagierte Kolleginnen und Kollegen unter anderem aus Albanien, Ägypten, Indien, Libyen, Rumänien, der Ukraine, Syrien, Afghanistan und vielen weiteren Ländern.

Ohne diese Kolleginnen und Kollegen wäre die Versorgung in zahlreichen Krankenhäusern und Regionen schon heute kaum aufrechtzuerhalten.


Die AfD behauptet, den Ärztemangel durch mehr Studienplätze und Stipendienprogramme lösen zu können. Doch diese Vorschläge greifen zu kurz.

Stipendienprogramme zur Förderung des medizinischen Nachwuchses gibt es bereits. Die Ausbildungskapazitäten der Universitäten lassen sich nicht beliebig und kurzfristig erhöhen. Selbst zusätzliche Studienplätze würden erst nach vielen Jahren zu mehr vollständig ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten führen.

Ein Medizinstudium dauert mindestens sechs Jahre. Danach folgt die mehrjährige Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt. Wer heute einen zusätzlichen Studienplatz schafft, besetzt damit nicht in wenigen Jahren eine leer stehende Hausarztpraxis.


Entscheidend ist, wer nach Sachsen-Anhalt kommt

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie wir langfristig mehr Medizinerinnen und Mediziner ausbilden. Wir müssen auch dafür sorgen, dass Ärztinnen und Ärzte nach Sachsen-Anhalt kommen und dauerhaft hierbleiben.

Die Kassenärztliche Vereinigung und viele weitere Einrichtungen bemühen sich bereits intensiv darum, junge Ärztinnen und Ärzte für den ländlichen Raum zu gewinnen. Dabei sind wir sowohl auf Menschen angewiesen, die selbst aus der Region stammen, als auch auf Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern.

Eine Politik, die Menschen mit Migrationsgeschichte pauschal abwertet oder ihnen das Gefühl gibt, nicht willkommen zu sein, verschärft daher den Ärztemangel.


Was würde Ihre Entscheidung beeinflussen?

Stellen Sie sich vor, Sie wären eine junge Ärztin oder ein junger Arzt und könnten frei entscheiden, wo Sie leben und arbeiten möchten. Würden Sie sich für ein Bundesland entscheiden, in dem eine rechtsextreme Partei die Regierung führt – insbesondere dann, wenn Sie selbst oder Ihre Familie eine Migrationsgeschichte haben?


Die Folgen betreffen uns alle

Die Folgen würden nicht nur diejenigen treffen, die eine solche Politik ablehnen. Sie würden alle Menschen betreffen, die eine Hausarztpraxis, ein Krankenhaus, einen Pflegedienst oder eine fachärztliche Behandlung benötigen.

Auch viele Wählerinnen und Wähler der AfD würden unmittelbar darunter leiden.


Veränderung ja – aber nicht so

Ja, in Sachsen-Anhalt muss sich etwas verändern. Wir brauchen weniger Bürokratie, bessere Arbeitsbedingungen, eine verlässliche Finanzierung und eine langfristige Strategie für die medizinische Versorgung auf dem Land.

Aber die Vorschläge der AfD lösen diese Probleme nicht. Sie drohen, sie weiter zu verschärfen.


Und ja: Es kann noch schlimmer kommen.



 
 
 

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