Menschlichkeit ist ansteckend.
- Georg Winkelmann
- vor 1 Tag
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Als Arzt und Psychotherapeut bin ich seit 2018 in Havelberg tätig und habe privat sowie beruflich viele Menschen in der Region kennenlernen dürfen.
Ich möchte einige Gedanken zu Psychotherapie, ihrer inneren Haltung und ihren positiven Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander in unserer Region teilen.

Was eine therapeutische Haltung ausmacht
Die therapeutische Haltung beschreibt die innere Einstellung von Therapeutinnen und Therapeuten gegenüber ihren Patientinnen und Patienten. Unter anderem ist sie geprägt durch die humanistische Psychologie von Carl Rogers, Empathie, Wertschätzung und Echtheit.
Sie kann in der Therapie selbst, aber auch in der Gesellschaft wohltuend wirken.
Sie ermöglicht zwischenmenschliche Begegnung ohne Vorurteile, Bewertungen oder vorgefertigte Schablonen. Sie fördert das Interesse am Erleben des Gegenübers und kann die Erfahrung von Angenommensein und Sicherheit stärken.
Warum unsere Gesellschaft davon profitieren kann
Unsere Gesellschaft leidet offensichtlich zunehmend unter einer – auch durch soziale Medien erzeugten – Polarisierung und der Unfähigkeit, andere Meinungen auszuhalten.
Eine Kultur des wertschätzenden Dialogs, der Empathie und der Konfliktfähigkeit kann durch Erkenntnisse der Psychotherapie unterstützt werden – in Familien, Freundeskreisen, Vereinen, Institutionen und vielen weiteren Bereichen.
Konflikte, gar Gewalttaten, wurzeln mitunter in Ohnmacht, Kränkung und dem Gefühl, nicht gehört zu werden. Indem Menschen lernen, ihre Bedürfnisse gewaltfrei zu kommunizieren und emotionale Verletzungen zu verarbeiten, kann Gesellschaft friedlicher werden.
Psychische Gesundheit stärkt auch unsere Region
Resiliente Menschen, die psychisch stabil sind und über gute Selbstfürsorge- und Bewältigungsmöglichkeiten verfügen, sind häufiger leistungsfähig, kreativ und vielleicht sogar ehrenamtlich tätig. Dies fördert das gesellschaftliche Klima und auch die Wirtschaftskraft der Region.
Was wir unseren Kindern mitgeben
Wie wir mit unseren Mitmenschen und vor allem mit unseren Kindern umgehen, ist stark davon geprägt, wie mit uns umgegangen wurde. Wenn Eltern durch eine Therapie erfahren, was emotionale Sicherheit bedeutet, verändert dies womöglich den Blick auf sich selbst und auf die eigene Erziehungspraxis. Die therapeutische Haltung wirkt somit als generationenübergreifender Schutzfaktor, der verhindert, dass Traumata (seelische Verletzungen) und emotionale Kälte an die nächste Generation weitergegeben werden.
Ein Kompass für unser Zusammenleben
Die therapeutische Haltung ist also mehr als ein professionelles Werkzeug für Psychologinnen und Psychologen – sie kann auch ein Kompass für das menschliche Zusammenleben sein.
Sie erinnert uns daran, dass psychische Gesundheit, gesellschaftlicher Frieden und auch eine freiheitliche Demokratie auf derselben Grundlage ruhen: dem Respekt vor der Würde und der Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen.
Ich wünsche mir, dass diese Haltung in Politik und Gesellschaft gestärkt werden kann.


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