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Was macht meine Klasse ohne mich?

Christiana Bertram
31. Aug.
2 Min. Lesezeit
Eine Lehrerin mit Sehbehinderung aus Havelberg über Inklusion, ihren Schulalltag und die Frage, was politische Entscheidungen ganz konkret bedeuten können


Inklusion funktioniert noch nicht gut genug

Die Inklusion an unseren Schulen funktioniert heute leider noch immer nicht gut. Es fehlen die nötigen Ressourcen; Klassen sind zu groß, Sonderpädagogen fehlen – die wenigen, die wir haben sind überlastet, Lehrkräfte sind dahingehend unzureichend ausgebildet und die vorhandenen Mittel werden nicht immer optimal eingesetzt. Das ist eine Realität, die wir dringend anpacken und verbessern müssen. Doch die Lösung kann nicht sein, die Inklusion einfach abzuschaffen.*


Dass Inklusion im Alltag und im Berufsleben nämlich sehr wohl gelingen kann, zeigt mein eigenes Beispiel jeden Tag aufs Neue. Trotz meiner Sehbehinderung stehe ich mitten im Leben, übe meinen Traumberuf an der Grundschule in Havelberg aus und leiste meinen Beitrag für unsere Gesellschaft, für eure und meine Kinder. Inklusion ermöglicht es Menschen mit Einschränkungen, ein wertvoller Teil des Ganzen zu sein – und sie bereichert das Miteinander für alle Seiten.


Was würde das für uns bedeuten?


Wenn ich nun auf die aktuellen politischen Debatten zur Inklusion an Schulen blicke, frage ich mich sehr besorgt, welche Folgen hätte es wohl für das Miteinander in meiner Klasse, für das Gefüge unserer Schule und nicht zuletzt für mich selbst als sehbehinderte Lehrerin, wenn solche rückwärtsgewandten Pläne tatsächlich Realität würden.


Wer steht dann morgens tagtäglich vor meiner Klasse, vor euren Kindern? Was macht meine Klasse ohne mich?



* Hintergrund: Im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl 2026 heißt es im Kapitel „Schulbildung“ unter Punkt 4 „Keine Experimente an unseren Kindern!“: „Wir werden die Inklusion unverzüglich beenden und die Förderschulen ausbauen!“ Quelle: AfD Sachsen-Anhalt, Regierungsprogramm 2026, Kapitel IV „Schulbildung“, Punkt 4, S. 74–75.

 
 
 

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